Zertio
ISO/IEC 27001 Foundation — Selbstlerneinheit
Abschnitt 10/9Kurs gesamt0/72Home

Abschnitt 1 von 9 · Bezug: DIN EN ISO/IEC 27001:2024-01, Einleitung und Kapitel 1 bis 3, ergänzt um Begriffe aus ISO/IEC 27000

Grundlagen der Informationssicherheit

Der erste Abschnitt legt das Fundament: warum Informationssicherheit für eine Organisation überhaupt ein Führungsthema ist, welche Werte geschützt werden, welche Schutzziele gelten und wie Informationssicherheit sich von Datenschutz und reiner IT-Sicherheit unterscheidet.

Auf einen Blick

Die Kernzusammenhänge dieses Abschnitts als Schaubild

Hinweis zu diesem AbschnittDie Lektionen 2 und 3 (Carbanak, Historie der Norm) stehen nicht in der Norm. Sie beruhen auf öffentlich berichteten Sachverhalten und auf der Normenhistorie; sie dienen der Einordnung, nicht der Prüfungsvorbereitung im engeren Sinn.

Die drei Schutzziele der Informationssicherheit

Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit — was das ISMS über den Risikomanagementprozess wahrt (Einleitung 0.1, Kap. 6.1.2 c) 1))

Schnittmengendarstellung der drei Schutzziele Drei sich überlappende Kreise für Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. In der gemeinsamen Schnittmenge stehen die geschützten Informationen. Vertraulichkeit nur für Befugte Integrität unverfälscht Verfügbarkeit bei Bedarf zugänglich Informa- tionen

Vertraulichkeit verletzt

Ein Datenabfluss aus der Kundendatenbank. System läuft weiter, Daten sind korrekt — nur eben nicht mehr geheim.

A.5.15 A.8.24

Integrität verletzt

Ein fehlerhafter Import vertauscht Antragsdaten. Alles ist verfügbar und vertraulich — aber falsch.

A.8.32 A.8.15

Verfügbarkeit verletzt

Das Bürgerportal fällt vier Stunden aus. Nichts ist abgeflossen, nichts verfälscht — nur nicht erreichbar.

A.8.13 A.8.14

Merksatz: Ein Ransomware-Vorfall trifft in der Regel alle drei Ziele gleichzeitig — Verschlüsselung trifft die Verfügbarkeit, der vorherige Datenabfluss die Vertraulichkeit, manipulierte Sicherungen die Integrität.

Von BS 7799 zur DIN EN ISO/IEC 27001:2024-01

Die Ausgabenfolge der Norm und ihre Übernahme nach Europa und Deutschland

Zeitstrahl der Normenhistorie Sieben Stationen von BS 7799 im Jahr 1995 über die ISO-Ausgaben 2005, 2013 und 2022 bis zur deutschen Fassung von 2024. 1995 BS 7799-1 Maßnahmen 1999 BS 7799-2 zertifizierbar 2005 ISO/IEC 27001 1. Ausgabe 2013 2. Ausgabe 114 Maßnahmen 2022 3. Ausgabe 93 Maßnahmen 2023 EN ISO/IEC 27001 CEN-Übernahme 2024 DIN EN deutsche Fassung Bruchstelle 2022: Anpassung an die harmonisierte Struktur (Anhang SL) und an ISO/IEC 27002:2022 — Anhang A wird von 14 Kapiteln auf 4 Themen umgestellt
Für die Praxis entscheidend: Wer ein Zertifikat nach der Fassung 2013 hält, muss beim Übergang die Erklärung zur Anwendbarkeit vollständig neu aufbauen — Maßnahmen wurden zusammengeführt, elf sind neu, die Nummerierung ist durchgängig anders.

Die 9 Lektionen

Anklicken zum Aufklappen · Häkchen links markiert eine Lektion als erledigt

Zum Vertiefen

Übersichten, Tabellen und Werkzeuge zum Nachschlagen

Angriffskette und die Maßnahmen, die sie unterbrechen

Der Ablauf der Carbanak-Kampagne — und wo Anhang A ansetzt

Fünfstufige Angriffskette mit zugeordneten Maßnahmen Phishing, Einstieg, Ausspähen, Rechteausweitung und Auszahlung. Unter jeder Stufe stehen die Maßnahmen aus Anhang A, die dort greifen. 1. Phishing Mail mit Anhang 2. Einstieg Schadsoftware aktiv 3. Ausspähen Monate unentdeckt 4. Rechte legitime Konten 5. Auszahlung Schaden tritt ein A.6.3 Bewusstsein und Schulung A.8.7 / A.6.8 Schadsoftware, Meldeweg A.8.15 / A.8.16 Protokolle, Überwachung A.8.2 / A.5.18 privilegierte Rechte, Rezertifizierung A.5.3 Aufgaben- trennung Die Kette bricht an jeder Stelle. Je früher, desto billiger — aber verlassen darf man sich auf keine einzelne Stufe. Deshalb verlangt die Norm Prävention, Detektion und Reaktion nebeneinander, nicht nacheinander.
Der Angriff nutzte ab Stufe 4 ausschließlich legitime Berechtigungen. Genau deshalb reicht Prävention nicht: Ohne Protokollierung (A.8.15) und Überwachung auf anormales Verhalten (A.8.16) sieht ein solcher Angriff aus wie Normalbetrieb.

Vom Ereignis zum Vorfall — und was danach passiert

Die Beurteilung nach A.5.25 ist die Weiche: Erst sie macht aus einem Ereignis einen Vorfall

Ablaufdiagramm der Vorfallbehandlung Beobachtung, Meldung nach A.6.8, Beurteilung nach A.5.25 als Entscheidungspunkt, danach entweder Dokumentation und Abschluss oder Reaktion nach A.5.26, Beweissicherung nach A.5.28 und Auswertung nach A.5.27. Beobachtung etwas fällt auf Meldung A.6.8 Vorfall? A.5.25 Kein Vorfall dokumentieren, schließen Reaktion A.5.26 Beweissicherung A.5.28 Erkenntnisse A.5.27 Vorbereitung: Prozess, Rollen, Kommunikation A.5.24 — muss vorher stehen, nicht im Ernstfall nein ja Erkenntnisse verstärken die Maßnahmen — der Kreis schließt sich
Ein Ereignis ist ein beobachtetes Vorkommnis, das für die Informationssicherheit bedeutsam sein kann. Ein Vorfall ist ein Ereignis oder eine Ereignisfolge, die den Betrieb oder die Informationssicherheit wahrscheinlich beeinträchtigt. Ohne die Beurteilung nach A.5.25 gibt es diese Unterscheidung nicht — und damit auch keinen belastbaren Meldeweg.

Informationssicherheit und Datenschutz — verwandt, nicht identisch

Zwei Schutzgüter, zwei Interessen, ein gemeinsamer Werkzeugkasten

Zwei überlappende Bereiche für Informationssicherheit und Datenschutz Links Informationssicherheit mit allen Informationen der Organisation, rechts Datenschutz mit personenbezogenen Daten, in der Schnittmenge die technischen und organisatorischen Maßnahmen. Informationssicherheit alle Informationen der Organisation im Interesse der Organisation Betriebsgeheimnisse, Angebote, Quellcode, Verträge Datenschutz personenbezogene Daten im Interesse der betroffenen Person Zweckbindung, Löschung, Auskunft, Rechtsgrundlage Schnittmenge A.5.34 A.8.10 A.8.11 Merksatz: Ein perfekt abgesichertes System kann datenschutzwidrig betrieben werden — und ein datenschutzkonformes Verfahren kann unsicher sein. Aus Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit folgt kein Gebot zu löschen. Aus dem Datenschutzrecht schon; die Norm greift das über A.8.10 und A.5.34 auf.
Prüfungstypisches Beispiel: Bewerbungsunterlagen liegen verschlüsselt, mit strenger Zugangssteuerung und lückenloser Protokollierung — aber unbefristet gespeichert. Das ist ein Datenschutzverstoß, kein Sicherheitsmangel. Die Maßnahme, die greift, ist A.8.10 Löschung von Informationen.

Abschlusstest

12 Fragen quer über den Abschnitt · Bestehensgrenze 60 Prozent

Abschlusstest Abschnitt 1

12 Fragen

Frage Was trifft auf den Begriff „Wirksamkeit“ zu?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungWirksamkeit fragt nach der Zielerreichung, nicht nach dem Aufwand – das Verhältnis von Ergebnis zu Ressourcen ist Effizienz, ein in der 27001 nicht geforderter und ausdrücklich anderer Begriff. Abschnitt 10.1 verlangt die fortlaufende Verbesserung von Eignung, Angemessenheit und Wirksamkeit. — Normbezug: ISO/IEC 27000, Begriffe – „Wirksamkeit“ · ISO/IEC 27001:2022, 10.1 Fortlaufende Verbesserung

Frage Welche weiteren Eigenschaften können gemäß ISO/IEC 27000 neben Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit einbezogen werden?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungDie Definition der Informationssicherheit nennt Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit als Kern und ergänzt in einer Anmerkung, dass weitere Eigenschaften wie Authentizität, Zurechenbarkeit, Nichtabstreitbarkeit und Zuverlässigkeit einbezogen werden können. Wirtschaftlichkeit gehört nicht dazu. — Normbezug: ISO/IEC 27000, Begriffe – „Informationssicherheit“ (Erhaltung von Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit)

Frage Was ist Verfügbarkeit gemäß ISO/IEC 27000?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungDie Norm definiert Verfügbarkeit als Zugänglichkeit und Nutzbarkeit auf Verlangen einer berechtigten Entität – ohne jede Zahlenvorgabe. Konkrete Verfügbarkeitsziele legt die Organisation selbst fest, etwa in Service Level Agreements; die Norm verlangt das nicht. — Normbezug: ISO/IEC 27000, Begriffe – „Verfügbarkeit“ (Zugänglichkeit und Nutzbarkeit auf Verlangen)

Frage Wie unterscheiden sich Informationssicherheitsereignis und Informationssicherheitsvorfall?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungEin Ereignis ist zunächst nur eine Beobachtung. Erst wenn es den Geschäftsbetrieb gefährdet oder die Informationssicherheit bedroht, wird daraus ein Vorfall. Die Beurteilung und Entscheidung darüber ist Gegenstand von A.5.25. — Normbezug: ISO/IEC 27000, Begriffe – „Informationssicherheitsereignis“ und „-vorfall“ · Anhang A, A.5.25 Beurteilung und Entscheidung über Informationssicherheitsereignisse

Frage Ein Administrator soll erklären, was die ISO/IEC 27000 unter einer Schwachstelle versteht. Was trifft zu?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungA) Richtig. ISO/IEC 27000 versteht unter einer Schwachstelle die Schwäche eines Werts oder einer Maßnahme, an der eine oder mehrere Bedrohungen ansetzen können. B) Falsch. Das beschreibt die Bedrohung, also die mögliche Ursache eines Vorfalls. Die Schwachstelle ist die Schwäche, an der sie ansetzt. C) Falsch. Ein eingetretener Vorfall ist eine mögliche Folge. Die Schwachstelle besteht schon vorher, ob sie ausgenutzt wird oder nicht.

Frage Was ist eine Nichtkonformität gemäß ISO/IEC 27000?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungNichtkonformität ist schlicht die Nichterfüllung einer Anforderung – der eigenen, der Norm oder einer gesetzlichen. Ein Sicherheitsvorfall kann eine Nichtkonformität aufdecken, ist aber nicht dasselbe, und festgestellt werden kann sie von jedem, etwa im internen Audit. — Normbezug: ISO/IEC 27000, Begriffe – „Nichtkonformität“ (Nichterfüllung einer Anforderung)

Frage Was beschreibt der Begriff „Verfügbarkeit" gemäß ISO/IEC 27000?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungISO/IEC 27000 definiert Verfügbarkeit als „zugänglich und nutzbar auf Anforderung einer berechtigten Einheit". Richtigkeit und Vollständigkeit beschreiben hingegen die Integrität.

Frage Ein Dienstleister fragt, was der Begriff Leistung in der ISO/IEC-27000-Familie bezeichnet. Was trifft zu?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungA) Falsch. Das ist die Definition der Wirksamkeit. Sie steht daneben, beantwortet die Frage nach der Leistung aber nicht. B) Richtig. ISO/IEC 27000 bestimmt Leistung als messbares Ergebnis; es kann sich auf Tätigkeiten, Prozesse, Produkte oder die ganze Organisation beziehen. C) Falsch. Servicekennzahlen sind ein Anwendungsfall aus der Vertragspraxis, nicht der Begriff selbst.

Frage Muss die Risikoidentifikation nach der geltenden ISO/IEC 27001 über Werte, Bedrohungen und Schwachstellen erfolgen?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungA) Falsch. Das beschreibt die Ausgabe 2005, die diesen Dreiklang vorschrieb. Abschnitt 6.1.2 „Informationssicherheitsrisikobeurteilung“ nennt ihn seit 2013 nicht mehr. B) Richtig. Die Norm verlangt, Risiken über den Verlust von Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit zu ermitteln. Der werteorientierte Weg bleibt eine mögliche Umsetzung. C) Falsch. Ein Werteverzeichnis kann bei der Zuordnung helfen, doch die Norm fordert es für die Risikoidentifikation nicht.

Frage Was trifft auf den Begriff „Risiko“ gemäß ISO/IEC 27000 zu?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungDie Norm übernimmt die Definition aus ISO 31000: Auswirkung von Ungewissheit auf Ziele, wobei die Abweichung positiv oder negativ sein kann. Die Multiplikation von Wahrscheinlichkeit und Schadenshöhe ist eine mögliche Methode der Risikoanalyse, keine Definition der Norm. — Normbezug: ISO/IEC 27000, Begriffe – „Risiko“ (Auswirkung von Ungewissheit auf Ziele)

Frage Was unterscheidet eine Korrektur von einer Korrekturmaßnahme?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungDie Korrektur behandelt das Symptom (verlorenes Notebook sperren), die Korrekturmaßnahme die Ursache (Verschlüsselungspflicht durchsetzen). Abschnitt 10.2 verlangt beides: reagieren und die Notwendigkeit von Ursachenbeseitigung bewerten. — Normbezug: ISO/IEC 27000, Begriffe – „Korrektur“ und „Korrekturmaßnahme“ · ISO/IEC 27001:2022, 10.2 Nichtkonformität und Korrekturmaßnahmen

Frage Was trifft auf den Begriff „interessierte Partei“ zu?

Mehrfachauswahl: eine bis drei Antworten sind richtig.

ErläuterungDer Begriff ist bewusst weit gefasst und schließt ausdrücklich ein, dass sich jemand nur beeinflusst *fühlt*. Eine Vertragsbeziehung ist keine Voraussetzung – Behörden, Kunden, Beschäftigte und Nachbarn können relevant sein. — Normbezug: ISO/IEC 27000, Begriffe – „interessierte Partei“ · ISO/IEC 27001:2022, 4.2 Verstehen der Erfordernisse und Erwartungen interessierter Parteien